Warum Fehler zuzugeben Autorität stärkt
und nicht zerstört
Die meisten von uns sind durch Schule und Gesellschaft so aufgewachsen, dass Fehler etwas Gefährliches sind. Etwas, das man vermeiden muss. Etwas, das Konsequenzen hat.
Dieser Glaubenssatz sitzt tief.
Er stammt aus einer Zeit, in der Stärke mit Kontrolle verwechselt wurde:
Recht haben. Durchhalten. Keine Risse zeigen.
Kein Wunder also, dass sich ein Fehler, besonders als Mutter oder Vater, wie ein Autoritätsverlust anfühlen kann. Manchmal sogar körperlich schmerzhaft.
Doch genau hier liegt das Missverständnis.
Autorität entsteht nicht durch Fehlerfreiheit
Kinder verlieren kein Vertrauen, wenn wir Fehler machen.
Sie verlieren Vertrauen, wenn wir so tun, als wären keine passiert.
Kinder haben feine Antennen. Sie merken, wenn etwas kippt, wenn Spannung im Raum hängt, wenn Worte und Körpersprache nicht zusammenpassen, solange wir sie nicht systematisch abstumpfen.
Sagen wir nichts, bleibt etwas Unausgesprochenes im Raum.
Der Körper des Kindes spürt: Hier stimmt etwas nicht.
Wird dieses Gefühl nicht bestätigt, beginnt etwas Gefährliches:
Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung schwindet.
👉 Nicht der Fehler ist das Problem.
Sondern dass ihn niemand eingesteht.
Fehler + Beziehung = Reparatur
Als Eltern geht es nicht darum, unfehlbar zu sein.
Es geht darum, Verantwortung zu ĂĽbernehmen, wenn man Mist gebaut hat.
Aus echter Fehlerkultur kann Vertrauen wachsen.
Entscheidend ist nicht der Fehler selbst, sondern was danach passiert.
Mit Reparatur entsteht Beziehung. Und Beziehung trägt Autorität.
DafĂĽr brauchst Du nicht:
- alles perfekt erklären
- Dich rechtfertigen
- Dich selbst klein machen
Was es stattdessen braucht:
- anerkennen, dass etwas schiefgelaufen ist
- in Verbindung bleiben, mit Dir selbst und deinem Kind
- benennen, was passiert ist
- das Ganze emotional begleiten
Das ist emotionale FĂĽhrung.
Und sie wirkt stärker als jede Regel.
Fehler zuzugeben ist keine Schwäche
Viele von uns wurden für Fehler beschämt.
Kein Wunder, dass sich Entschuldigen bis heute nach Versagen anfĂĽhlt.
Kinder hören aber etwas ganz anderes, wenn wir sagen:
- „Das war nicht gut.“
- „Ich habe das falsch eingeschätzt.“
- „Ich lerne noch.“
Sie lernen keine Unsicherheit.
Sie lernen Selbstsicherheit.
Denn wer Fehler aushält, ohne sich selbst anzugreifen, wirkt nicht schwach.
Sondern sicher.
Stärke ist nicht Fehlerfreiheit.
Stärke ist Verantwortung plus Lernbereitschaft.
Eine kleine Geschichte ĂĽber Fehler
Die Unternehmerin Sarah Blakely (Spanx) erzählt, dass ihr Vater sie als Kind jeden Abend fragte:
„Was hast Du heute falsch gemacht?“
Nicht streng.
Nicht ironisch.
Sondern neugierig.
FĂĽr jeden Fehler gab es ein High-Five.
Und dann die Frage:
„Was hast Du daraus gelernt?“
Wenn sie keinen Fehler gemacht hatte, wenn sie nichts Neues ausprobiert.
Was hier passiert ist, war leise – und revolutionär:
- Fehler wurden vom eigenen Wert getrennt
- Lernen wurde wichtiger als Recht haben
- Scheitern wurde ein Trainingsraum
Genau das fehlt in den meisten Familien.
Wie Reparatur im Alltag aussieht
Ohne große Gespräche. Ohne Pädagogik.
Es beginnt nicht beim Kind.
Es beginnt bei Dir.
Schritt 1: innerlich
Stopp. Atemzug.
Kein „Ich bin eine schlechte Mutter“.
Sondern:
„Ich bin eine lernende Mutter. Mehr muss ich gerade nicht sein.“
Das ist Selbstregulation. Und sie macht Reparatur erst möglich.
Schritt 2: sichtbar
Ein einfaches Muster:
- Benennen:
„Ich habe gemerkt, dass ich laut geworden bin.“ - Einordnen:
„Das war nicht gut für Dich.“ - Öffnen:
„Ich lerne noch, es anders zu machen.“
Kein Drama.
Keine Rechtfertigung.
Keine Selbstabwertung.
Nur Beziehung.
Deine Take-away-Botschaft
Nicht der Fehler prägt Dich oder Dein Kind.
Sondern das, was danach passiert.
Wenn Du Fehler zugibst, vermittelst Du:
- Du bist sicher, auch wenn ich nicht perfekt bin.
- Nähe ist wichtiger als Recht haben.
- Lernen hört nie auf.
Vielleicht ist genau das die stärkste Form von Autorität.
Nicht die der Kontrolle.
Sondern die der Verbindung.
Probier es mal aus und lass mich wissen, wie das fĂĽr euch funktioniert!